Witzwort vertellt

97: Des Flaschenleerers leere Flaschen

Manchmal bietet auch die Gegenwart unterhaltsame, wenn auch nicht immer positive Geschichten ...

Entlang des Ingwershörner Deichs – zwischen Honnenshof und Abzweig Ohlfelder Weg – finde ich bei meinen Spaziergängen immer wieder leere Schnapsflaschen. Sie sind aus Glas oder aus Plastik und gehören eindeutig nicht dahin, sondern in den Müll. Mehrfach hat (vermutlich) der Pächter der Wegränder versucht, den Verursacher zu veranlassen, diese Glas- und Plastkflut in einen bereitgestellten Eimer zu entsorgen, leider ohne Erfolg. Im gemähten Gras will man die Scherben verständlicherweise nicht haben, weil sie eine Gefahr für die zu fütternden Tiere darstellen.

Nun habe ich mir den Spaß gemacht, die leeren Flaschen einzusammeln und Anzahl sowie Geschmacksrichtung zu notieren – und siehe da, es handelt sich offensichtlich um eine regelmäßige „Entsorgung“, denn im Dezember 2024 und im April 2025 fand ich annähernd die gleiche Menge von jeweils 29 Flaschen. Der (vermutlich männliche) Flaschenleerer fährt also häufg hier entlang, wohl von der Tankstelle Platenhörn kommend, leert unterwegs die Flasche und wirft sie dann mit flottem Schwung aus dem Fahrerfenster auf den linken Wegrand. Es handelt sich vorwiegend um sogenannte Taschenflaschen mit 0,1 Liter Inhalt – wie man sie an jeder Tankstellen- und Supermarktkasse fndet.

Eine lange Geschichte haben die ganz kleinen Schnapsflaschen mit 20 bis 50 Millilitern Inhalt: Her-stellen konnte man sie ab Beginn des 20. Jahrhunderts, nachdem die maschinelle Flaschenproduk-tion erfunden war. Sie dienten zunächst Spirituosenverkäufern, die damit ihren Kunden eine kleine Kostprobe anbieten konnten, ohne eine große Flasche öfnen zu müssen. In den 1930er Jahren, während der Alkoholprohibiton in den USA, erlebten die Minis einen Aufschwung, weil sie nicht so streng kontrolliert und „als Warenproben“ nicht besteuert wurden.

Eine bessere Verwendung als unser Flaschenleerer und Umweltrowdy hat Olaf Schneider aus Osthessen: Er sammelte in 33 Jahren rund 11.400 verschiedene Miniaturflaschen. Seine Leidenschaft entstand übrigens bei einem Nordsee-Urlaub, wo er Schnapsflaschen entdeckt hatte, die Leuchttürmen nachgebildet waren: „Die waren schön. Da hab ich mir gesagt ‚Ach komm, nimmst du ein paar mit‘.“ Von einer Tagesfahrt nach Helgoland kam der Rentner mit einem bis oben hin mit Schnapsflaschen gefüllten Rucksack zurück. „Da hatte ich erst Angst, ich kriege Probleme mit dem Zoll. Die Dame hat nur gelacht.“  

Quellen: Wikipedia und https://osthessen-news.de/n11531508/olaf-schneider-sammelt-in-33-jahren-rund-11400-miniaturschnapsflaschen.html https://osthessen-news.de/n11531508/olaf-schneider-sammelt-in-33-jahren-rund-11400-miniaturschnapsflaschen.html (2016)

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