Witzwort vertellt
98: Kinderfest – mit langer Tradition
Dieses Jahr haben wir wieder ein Dorffest feiern können, und dazu gehört in jedem Fall das Kinderfest. Da fragten wir uns: Wie lange gibt es schon Kinderfeste?
Die älteren Archivgruppenmitglieder, wie Inge Claussen, versichern: solange sie denken können ...
Was geben die Archivunterlagen her? Das älteste Foto vom Kindervogelschießen stammt aus dem Jahr 1931. Und 1934 notiert Lehrer Timm im Schultagebuch: „Kinderfest. Am 1. Tag fanden auf dem geschmückten Sportplatz die Spiele statt: Knaben: Vogelschießen. Mädchen: Topfschlagen, Ringwerfen, Ringstechen. König wurde Hans Hermann Behm (1 Uhr), Königin Emmi Brade (1 Halskette). Am 2. Tag Umzug durch den geschmückten Ort. Anschließend Tanz – Volkstanz – Turnen – Ansprache.“
Anderswo hängt die Tradition des Bogelschießens eng mit Schützenvereinen zusammen. Aber in Witzwort existierte unseres Wissens nie einer. Vielleicht war dafür neben Jagdgenossenschaft, Boßeln und Ringreiten kein Platz mehr? In Witzwort ist das Fest deshalb wohl speziell für die Kinder ins Leben gerufen worden – möglicherweise in den 1920er Jahren. Denn erst nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich die Schule zu einem Ort, in dem Kinder nicht nur beten und lernen sollten, sondern auch spielen durften. So wurden 1921 auf Anordnung des Kreisarztes ein Turngerüst aufgestellt und Stäbe und Bälle beschafft. Im selben Jahr erhielt auch der Spielplatz ein Klettergerüst. Und ab Mitte 1925 durften in Witzwort auch die Mädchen turnen: Lehrer Stoffer betreute ihre Gruppe, während Lehrer Knutz die Jungen trainierte. Geturnt wurde auf dem Schulhof oder bei schlechtem Wetter im Saal der Witwe Nissen (heute Dörpshuus).
Unsere Fotos stammen vom Kinderfest 1965, fotografiert hat sie Hans-Werner Beese. Unter den Blumenbügeln laufen der König Rolf Peters und die Königin Dörte Oldenburg (rechtes Bild). Rolf Peters erinnert sich, dass er als Preis eine Kamera bekam (Agfa Rapid). Als am Sonntag das Königpaar abgeholt wurde (in diesem Fall vor der Meierei, weil Dörte „weit außerhalb“ in Osterende im Mühlenhaus wohnte), fotografierte seine Mutter das feierliche Ereignis gleich mit dem neuen Apparat.
Die kleinen Jungs mussten auf dem Steckenpferd Ringstechen, die älteren, ab der 5. Klasse, schossen auf den Vogel. Die Mädchen traten im Dreikampf an (Topfschlagen, Taubenpicken und Korbball). Das linke Bild zeigt Sigrid Hennings konzentriert beim Taubenpicken unter der Aufsicht von Hedwig Lesch, dahinter links Christina Nickels, rechts Silke Hars und vorn mit Brille Renate Carl. Beim Taubenpicken musste die an Fäden hängende Metallsilhouette einer Taube möglichst in die Mitte der Zielscheibe befördert werden.
2025 gibt es das Kinderfest in Witzwort also schon seit beinahe 100 Jahren. Hoffen wir, dass es noch lange erhalten bleibt und durch neue Ideen weiter gewinnt! Schön auch, dass seit einigen Jahren die Tradition mit den blumengeschmückten Bögen wieder belebt worden ist.
Am diesjährigen Dorffest beteiligte sich die Archivgruppe mit einem Infozelt: Hier konnten die Älteren historische Fotos betrachten und ihr Wissen in einem Dorfquiz testen. Die Kinder konnten beim Tippen auf einer mechanischen Schreibmaschine nachspüren, wie mühsam das früher war – und zwei Kinogutscheine gewinnen. Diese Schreibmaschine diente übrigens in der Nachkriegszeit Rolfs Vater „Hans Amt“ als Arbeitsmittel in seiner Witzworter Amtsstube.

